| „Vielleicht liegen die ungewöhnliche Popularität
seiner Stücke wie der außerordentliche Hass auf ihn darin begründet, dass
Kotzebue, wie Nietzsche meinte, so war wie sein Publikum. Nicht ins
Unverbindliche größer als es, nicht zum Niedrigen kleiner, und
ebenso gegenwärtig wie das eigene Spiegelbild.“ (Udo Zöller) |
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Kotzebue auf deutschen BühnenDass Kotzebue zweifellos einer der bedeutendsten Dramatiker war, wenn man Wirkung und Verbreitung eines Werkes als ernst zu nehmende Hinweise auf seine historische Bedeutung betrachten will, mögen einige Aussagen und Daten veranschaulichen: In einer Liste der meist gespielten Schauspielautoren des Mannheimer Hof- und Nationaltheaters für den Zeitraum von 1779 bis 1870, also für annähernd ein Jahrhundert, steht Kotzebue mit 1.870 Aufführungen an erster Stelle, weit vor Schiller mit 486 und Iffland mit 463 Vorstellungen, während Goethe erst an vierzehnter Stelle mit 181 Aufführungen erscheint.
Wählt man den Zeitraum noch enger und betrachtet die Aufführungsstatistik erst ab 1788, dem Zeitpunkt also, als Kotzebue mit veröffentlichten Bühnenstücken erstmals auf dem Spielplan in Erscheinung trat, wird das Bild noch ungünstiger für die heute bekannten Autoren:
Ebenso in Dresden. Hier stehen in einem vergleichbaren Zeitraum (1789 bis 1813) einem Goethe-Drama 55 Aufführungen Kotzebues gegenüber (fast 23 Prozent sämtlicher Aufführungen werden von Kotzebue bestritten; Goethe, Lessing und Schiller kommen zusammen nur auf 4 Prozent).
Sogar an Goethes Theater in Weimar stammte etwa jedes siebte aufgeführte Stück aus der Feder des heute nahezu unbekannten Autors. Resümierend kann gesagt werden, dass zwischen 1795 und 1825 sein Anteil am Repertoire deutscher Bühnen bei ungefähr 25 Prozent lag. A. W. Schlegel konstatierte für seine Epoche somit völlig zu Recht: „[...] das Deutsche Theater und Kotzebue läuft so ziemlich auf eins hinaus.“ Kotzebue im AuslandViel erstaunlicher aber noch ist die Tatsache, dass
Kotzebues Erfolg nicht auf die deutschsprachigen Länder begrenzt blieb,
sondern seine Stücke die Bühnen nahezu ganz Europas eroberten. |
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Doch selbst damit nicht genug. Als Adelbert von Chamisso mit Kotzebues Sohn Otto eine Weltreise unternahm, berichtete er über den Vater seines Reisegefährten: „Überall hallte uns sein Name entgegen.“ Chamisso gewann den Eindruck, dass für die Menschen „dieser selbe Kotzebue der Dichter der Welt“ sei: „Wie oft ist mir doch, an allen Enden der Welt, namentlich auf O-Wahu, auf Guajan u.s.w., für meinen geringen Anteil an dem Beginnen seines Sohnes mit dem Lobe des großen Mannes geschmeichelt worden, um auch auf mich einen Zipfel von dem Mantel seines Ruhmes zu werfen. [...] Sämtliche Bibliotheken auf den Aleutischen Inseln, so weit ich solche erkundet habe, bestanden in einem vereinzelten Bande von der russischen Übersetzung von Kotzebue.“
Heute jedoch ist Kotzebue als Autor nahezu vollständig vergessen; schon die Hintergründe seiner Ermordung sind wenigen genauer bekannt. Den Fürsten- und Königshäusern war das Attentat des Burschenschaftlers Sand, der in völliger Verkennung der tatsächlichen Zusammenhänge etwas Gutes für die deutsche Sache zu unternehmen glaubte, willkommener Anlass, ihren schwindenden Einfluss zurückzugewinnen und das Ancien régime in Deutschland zu restaurieren, um es gegen revolutionäre Bestrebungen des erstarkten bürgerlichen Lagers zu sichern. Folge dieses unsinnigen Attentats waren nicht die erhoffte Aufbruchstimmung zu einer bürgerlichen Revolution und die Gründung einer vereinten deutschen Nation, sondern die Karlsbader Beschlüsse, die den Fortgang der bürgerlichen Emanzipation hemmten und etablierte Freiräume durch Ausweitung der Zensur und polizeistaatliche Maßnahmen wieder einschränkten, nicht zuletzt im Bereich der Kunst, besonders der Literatur und des Theaters. Kotzebue
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| „Wohl kein deutscher Schriftsteller hat während des ganzen 19. Jahrhunderts eine vergleichbar so starke Wirkung auf die Literatur fast aller europäischen Nationen ausgeübt, wie August von Kotzebue, und ist doch in gleichem Maße ein Stiefkind der deutschen Literaturgeschichtsschreibung gewesen.“ |
Dass Kotzebue aber nicht erst durch seinen Tod das kulturelle Bild Deutschlands geprägt und beeinflusst hat, sondern schon zu Lebzeiten als Dramatiker die Jahre vor und nach 1800 entscheidend prägte, ist auch Literaturwissenschaftlern nur selten bekannt. Damit geraten die Verfahren und Kriterien der Literaturgeschichtsschreibung ins Blickfeld. Angesichts seiner beispiellosen Vorherrschaft auf der Bühne, angefangen mit seinem ‘Welterfolg’ „Menschenhaß und Reue“ im Jahre 1789 bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, ist es verwunderlich, dass sein Name in vielen literaturgeschichtlichen Arbeiten gar nicht oder nur am Rand erwähnt wird.
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Ein halbes Jahrhundert lang sind seine Stücke auf europäischen und transatlantischen Bühnen vertreten, auf deutschen Bühnen geradezu omnipräsent. Wie ist es da möglich, dass dieser Autor fast vollständig aus dem allgemeinen kulturellen Gedächtnis und insbesondere aus der Literaturgeschichtsschreibung verschwinden konnte? Welche Kriterien haben dazu geführt, seine zeitgenössisch offensichtlich erfolgreichen Werke als minderwertig einzustufen und welche Maßstäbe wurden angelegt, sein literarisches Wirken zu beurteilen. |

Ein wesentliches Problem der literarischen Wertung, das sich im Hinblick auf Kotzebues Werke bis auf den heutigen Tag hartnäckig erhalten hat, setzt schon zu Lebzeiten des Autors ein. Anstelle einer Bewertung der Texte und ihres analytischen und erkenntnisstiftenden Potentials steht die Künstlerperson im Vordergrund. Die Beispiele für diesen Sachverhalt sind so zahllos, dass Kotzebue selbst zeitweise davor zu kapitulieren schien: „Man hat sich durch lächerliche Recensionen an meinen Schriften gerächt, andere haben meinen moralischen Character, nicht ohne Schein, verunglimpft“, so schrieb er bereits 1793 in einem direkt an die allgemeine Leserschaft gerichteten Flugblatt, das er kostenfrei verteilen ließ, um dieser Art der Kritik zu begegnen. Aus dieser Veröffentlichung wird ersichtlich, dass sich Kotzebue den Vorwurf, er sei ein unmoralischer Mensch, beständig gefallen lassen musste, weil seine Schauspiele und die dort verhandelten Themen nicht den Tugendvorstellungen der Rezensenten entsprachen. Von den unkonventionellen oder gar gegenkonventionellen Aussagen seiner Stücke schloss man auf die charakterlichen Eigenschaften des Autors, aber auch umgekehrt führte die Diffamierung seiner Person gleichsam zu einer Übertragung auf seine literarischen Erzeugnisse. Aus dieser Wechselbeziehung resultierte dann im weiteren Verlauf das literarische Gesamturteil: Sowohl der Autor als auch sein Werk sind moralisch verkommen und ’sittenwidrig’.
Wie weit diese pauschalierende Diffamierung gehen konnte, mag ein Beispiel verdeutlichen, auf das Kotzebue ebenfalls exemplarisch durch einen offenen Brief reagierte: „Herr von Masson der Jüngere, Verfasser der Mémoires secrets sur la Russie, hat ein Buch gegen mich geschrieben, in welchem er mir einige moralische Schwachheiten zur Last legt, als da sind: Mord, Diebstahl, Ehebruch, Verführung der Unschuld [...], brutale Grausamkeit, knechtische Niederträchtigkeit, Speichelleckerei, feile Verkäuflichkeit, Plagiate, Hang zum unverschämten Lügen, und was dergleichen Kleinigkeiten mehr sind, die, wenn sie auch nur zur Hälfte wahr erfunden würden, mich bei dem Publikum eben nicht empfehlen könnten.“ Unverkennbar steckt hinter den Angriffen auf Kotzebue eine Frustration derer, die das Theater als Bildungsinstitution nutzen wollten und die ihre Ideen nun durch den Unterhaltungsdrang des Publikums unterwandert sahen, da für sie ein breites Publikum gleichsam das Kennzeichen für Minderwertigkeit bedeutete, obwohl das eine zu tun nicht automatisch bedeuten musste, das andere zu lassen.
Ein literarischer Markt entsteht
Die
personenbezogene Kritik war zudem ein häufiger Bestandteil der
zahlreichen öffentlich in Zeitschriften oder Flugblättern
ausgetragenen Fehden und Streitigkeiten, die rückblickend oftmals
erschreckend unsachlich wirken und dabei erahnen lassen, dass es
sich bei der daraus entstehenden Pasquille- und Streitschriften-’Kultur’
der Zeit zunehmend auch um einen Wettbewerb um Zuschauer- und
Lesergunst gehandelt haben mag, der in einem erheblichen Maße ökonomischen
Ursprungs war: die Zahl der Schriftsteller stieg im letzten Viertel des
18. Jahrhunderts erheblich an und es entstand damit eine bisher
ungekannte Konkurrenzsituation auf einem gerade erst entstehenden
literarischen Markt.
Fragt
man sich, wie nun überhaupt – bis heute – der moralische Ruf des Autors
zu einem Kriterium der Beurteilung des Werkes
werden konnte, so darf man als interessegeleitete Ursache neben der
literarischen Wettbewerbssituation und der beschriebenen
Frustration der Spätaufklärer in der Folgezeit auch
politische Absichten dahinter vermuten. Ein nicht zu unterschätzender
Anteil an der Diffamierung der Autorenperson und des Werkes ist nach
Kotzebues Tod seiner konservativen politischen Haltung der letzten
Lebensjahre zuzuschreiben. Die Tatsache, dass der eigentlich
haltlose Vorwurf einer Spionagetätigkeit Kotzebues in russischen
Diensten sogar 1959 noch diskussionswürdig war und bis vor ein Wiener
Bezirksgericht zur Verhandlung getragen wurde, verdeutlicht nur, wie
umfassend und nachhaltig die politische Agitation gewirkt hat.
Dabei war schon im Jahre des Attentats aus juristischer Sicht nachhaltig belegt, welche Motive Carl Ludwig Sand tatsächlich dazu veranlasst hatten, sein Opfer auszuwählen: In eigenen Aufzeichnungen hatte der Attentäter zuvor angekündigt, „dem Kotzebue, oder sonst einem solchen Landesverräter, das Schwert ins Gekröse zu stoßen“, und hatte den konkreten Beschluss wohl weniger von einer genauen Sachkenntnis über die differenzierte politische Einstellung – und Anstellung – seines Opfers abhängig gemacht, als vielmehr von dem Zufall, dass sich Kotzebue zu diesem Zeitpunkt in Weimar aufhielt und sich somit im (freilich sehr eingeschränkten) Gesichtskreise Sand’s befand. Allein die Umstände, dass Kotzebues „Geschichte des deutschen Reichs“ beim Wartburgfest von anderen, gleichgesinnten Studenten (nach Sands Auffassung gewiss nicht ohne Grund) verbrannt worden war und dass Kotzebue seine reaktionäre Haltung öffentlich und unnachgiebig vertrat, waren gewiss ausschlaggebender für Sands Wahl, als die später immer wieder gezielt hervorgehobene Begründung des Attentäters, Kotzebue sei ein russischer Spion gewesen. Während diese ‘Begründung’ für die informierteren Zeitgenossen des Attentats noch ganz selbstverständlich aus Sands Unkenntnis über das damalige Verhältnis Rußlands zum übrigen Europa und Kotzebues Verhältnis zur russischen Regierung erklärlich war, verblasste dieser Irrtum und die tatsächliche Sachlage in späteren Jahren zunehmend, so dass die sichtbar irrationale Begründung allmählich zur einzig bekannten und damit später auch scheinbar schlüssigen Legitimation werden konnte.
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Dabei war der Hintergrund folgender: Kotzebue war – ganz offiziell und ohne jegliche Geheimnistuerei – im Dienste der russischen Regierung als eine Art Kultur- und Literaturkorrespondent tätig und hatte sich währenddessen in zahlreichen teils öffentlichen Auseinandersetzungen mit Luden, Oken und anderen Nationalisten als ein gealterter Anhänger der Monarchie erwiesen und damit in der allgemeinen Wahrnehmung zum Sündenbock der von den Fürsten seinerzeit bereits betriebenen Restaurationspolitik und zum Nationalfeind gemacht. In diesem Zusammenhang wurde ihm auch durch vorsätzlich verfälschte und verstellend gekürzte Zitationen unterstellt, ein vehementer Verfechter der Leibeigenschaft zu sein. Selbst Goethe, wahrlich kein Anhänger des Komödiendichters, beobachtete die Vorgänge bei Kotzebues Aufenthalt in Weimar wenige Wochen vor dem Attentat nicht ohne Bedenken, denn die Stimmung gegen Kotzebue verschärfte sich, nachdem dieser sich in den „Erinnerungsblättern“ öffentlich für eine Verschärfung der Zensur an den Universitäten und für eine Einschränkung der akademischen Freiheit ausgesprochen hatte. |
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Ein besonders leidenschaftlicher Bericht Kotzebues über den Zustand der deutschen Universitäten, der eigentlich im Rahmen seiner Berichterstatter-Tätigkeit für den russischen Zaren bestimmt war, geriet in die Hände von Oken und Luden und wurde in der Zeitschrift „Nemesis“ der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Goethe gab als Beobachter der politischen Stimmung zu Bedenken, es sei „ein merkwürdiges Phänomen, dass niemand mehr an die allgemeinen Angelegenheiten“ denke, „sondern ein grenzenloser Hass gegen Kotzebue“ sich hervortue, der „seinen Feinden gut Spiel“ mache: „Alles was gegen ihn geschieht, wird gebilligt; jede Maßregel für ihn getadelt.“ |
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Die politischen Statements, die in der Öffentlichkeit zu lesen waren, haben letztlich nicht nur den Theologiestudenten Sand zu seinem Attentat verführt, sondern auch die Urteile über den Ermordeten nachhaltig beeinflusst und politisch gefärbt. Es war eine Form der Verschmelzung von politischer und moralischer Denunziation, die sich die Agitatoren zunutze machten. Entsprechend wurde Kotzebues Spottschrift „Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn“ (1790) wieder hervorgeholt, um mit der Unterstellung zweifelhafter Charaktereigenschaften auch den Vorwurf des Landesverrats zu untermauern. Ein klares politisches Ziel, die Mobilisierung und Bündelung der revolutionären, nationalen Kräfte, stand hinter der Art der Darstellung, deren Absicht es war, Sands Tat als einen nationalen Befreiungsakt hinzustellen und ihn selbst zum Märtyrer zu stilisieren. Ebenso musste auch
Kotzebues literarisches Werk in den Beurteilungen und Kritiken geglättet
werden, um es eindeutig und unzweifelhaft mit dem Stigma des Reaktionärs
belegen zu können und auch hier werden die Charaktereigenschaften des
Autors zum Dreh- und Angelpunkt der Argumentation. Kotzebues Werke
sind nach 1830 ganz im ursprünglichen Wortsinn schwerer Verdammung
anheimgefallen, denn nicht dem Opfer, sondern dem Mörder gehörte das
Mitgefühl der Nation und das hat schließlich auch auf das Urteil über
Kotzebues Stücke gewirkt: „sie mussten nachträglich beweisen, dass
er ein Volksverderber gewesen sei.“ |
„In
der Literatur werden die Urtheile über Kotzebue immer strenger, aber
eigentlich nur bis 1832 nimmt er ein selbständiges Interesse in
Anspruch“ (Ersch / Gruber),
dann wird sein Werk systematisch demontiert und literarhistorisch verdächtig
gemacht: frevelhaft politisch, moralisch unsittlich und formalästhetisch
pauschal von minderer Qualität. Bei der Fülle von Verdammungen liegt
der Verdacht nahe, dass es eben die burschenschaftlichen Literaturhistoriker
waren, die nun in ihren neuen Positionen an den Universitäten und
Bildungsstätten Deutschlands ihre Perspektive und ihre Vorstellung
von Literaturgeschichtsschreibung zunehmend durchsetzten.
Die Umstände, die zu Kotzebues Tod geführt hatten und die Folgen, die sein Tod schließlich für das gesellschaftliche Leben hervorgebracht hatte, verdrängte man nur zu gerne. Man wollte auf keinen Fall an Kotzebue erinnert werden, der stellvertretend für das Versagen der burschenschaftlichen Revolution und den einstweiligen Untergang der reichsnationalen Idee stand. Mit seinem Tod setzte Kotzebue den Anfangspunkt der verhassten Restaurationsepoche. Darum musste, nachdem der politisch völlig unsinnige Mord an seiner Person nun einmal nicht mehr aus der Welt zu schaffen war, diese Tat nachträglich legitimiert und glorifiziert werden, musste Kotzebue zum Symbol für reaktionäre Politik und Kultur umgewandelt werden, denn der fatale Irrtum Sands durfte im Nachhinein keiner mehr sein. Darum wurde Kotzebues Werk dem schon vorher feststehenden Urteil der Minderwertigkeit und des Fehlens jeglicher Progression angepasst.

In
der Folgezeit kam es durch eine einseitig vom Kunstverständnis der
Weimarer Klassik geprägte Sichtweise der literarisch Wertenden
hinsichtlich der polaren Konzepte, mit denen Kotzebue und die Klassiker
auf gesellschaftliche Wirklichkeit reagierten, in dieser
Literaturgeschichtsepoche zu einer Dichotomisierung der Literatur in
eine anspruchsvolle und eine weniger anspruchsvolle, während eine
Einteilung in tendenziell formorientiert und tendenziell fabelorientiert
vielleicht treffender gewesen wäre. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts
kommt es zu einer Aufteilung in Literatur und Trivialliteratur; von
den Zeitgenossen wurde das künstlerische Schaffen von Goethe, Schiller,
Iffland und Kotzebue noch als einheitlich empfunden, obwohl sich auch
für die Zeitgenossen schon früh diese Tendenzen abzeichneten, da ja
die Weimarer Klassiker und auch die Romantiker sich explizit von den
anderen literarischen Strömungen abzugrenzen suchten.
Die Zusammenstellung der Werke Ifflands und Kotzebues unter dem Begriff der Trivialdramatik mag ihren Ursprung auch darin haben, dass beide Autoren neben Rührstücken vorzugsweise Lustspiele verfasst haben, eine Gattung, die im Grunde bis heute den Beigeschmack des Minderwertigen behalten hat. Schon zu seinen Lebzeiten stellte Kotzebue diesen Trend fest und versuchte sich gegen den undifferenzierten Umgang mit seinen Stücken und denen Ifflands zu verwahren: „Woher kommt es denn, daß man, um Dichter einer gewissen, sehr beschränkten Gattung anzudeuten, immer Kotzebue und Iffland zusammenstellt? – das kommt daher, weil man eben diese Gattung gern als untergeordnet bezeichnet, und weil man eben so gern die Gelegenheit ergreift, alle meine Stücke in Bausch und Bogen in eine untergeordnete Classe zu setzen“. Es herrschte die Meinung, dass das, was weniger ernst daherkommt, auch weniger ernst genommen werden muss. Erst mit den bissigen politischen Satiren des 19. Jahrhunderts scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass auch der Komödiengattung eine seriöse Beachtung zusteht.
Aufgrund einer tradierten Voreingenommenheit war man dann im weiteren Verlauf der Literaturgeschichtsschreibung nicht mehr in der Lage, die Qualitäten der Kotzebueschen Texte unvoreingenommen zu untersuchen, zu erklären und mit wissenschaftlichen Argumenten von den Mängeln zu unterscheiden. In dem Maße, wie die regiden Sittenvorschriften, gegen die Kotzebues Schriften oftmals aufbegehrten, ihre gesellschaftliche Dominanz behaupten konnten, und in dem Maße, in dem „Goethes Klassik dogmatisch wurde“ (Walter H. Bruford), mussten schließlich auch die ‘frivolen Lustspiele‘, die ‘demoralisierenden Dramen‘ und die effektvoll inszenierten statt statuarisch deklamierenden Stücke von der Bühne verschwinden und mit ihnen auch der Name ihres Schöpfers.
Traditionen literarischer Urteilsbildung
Was eine Zeit lang bleibt, ist ein verständnisloses Konstatieren des Erfolgs, den man nun zunehmend auf einen ’bloßen Effekt’ reduziert, wobei aber in den seltensten Fällen genau beschrieben wird, worin exakt dieser ’Effekt’ besteht.
Der sittlich-moralische Vorwurf aber geht vor dem Hintergrund einer biedermeierlichen Einrichtung des bürgerlichen Privatlebens auch in späterer Folgezeit nicht verloren. Um die Auffassung, dass es sich bei Kotzebue um einen Autor untersten Ranges handelt, der keiner weiteren Betrachtung lohnt, zu untermauern, scheute man nicht einmal davor zurück, Motive unabhängig von ihrer literarischen Verarbeitung als unästhetisch zu erklären und ihnen gar den Realitätsanspruch abzusprechen: „Vom künstlerischen Standpunkte haben die Theaterstücke Kotzebues samt und sonders gar keinen Wert, da sie weder ein poetisches Problem behandeln, noch durch poetische Behandlung ergriffener Probleme mit deren Unpoesie auszusöhnen bemüht oder vermögend sind. [...] Die Zeichnung der Charaktere [...] läßt sich fast niemals auf feinere Begründung und lebenswahre Darstellung ein. [...] Die Welt, aus der seine Stoffe und Personen hergenommen sind, ist nicht die wirkliche, viel weniger die wahre, sondern die eingebildete Welt der sittlichen Schwäche [...]. Man würde jedoch irren, wenn man meinte, Kotzebue habe das deutsche Volk zum Publikum gehabt. Als die Überraschung und der Reiz der Neuheit vorüber waren, blieben ihm bloß die Hefe, wie hoch sie äußerlich auch stand, und von den Übrigen allenfalls nur die, welche nicht seine Stücke, sondern die Schauspieler in Rollen, die zufällig die seinigen waren, sehen wollten.“(Karl Goedecke, 1893) Was siebzig Jahre nach Kotzebues Tod vor dem Hintergrund ganz anderer gesellschaftlicher Bedingungen wie ein schlechter Witz klingt, ist jedoch ein Zeugnis für die Ideologieanfälligkeit der Literaturgeschichtsschreibung und eine weitere Ursache für den Stand der heutigen Forschung. Die Verbindungen zwischen Literaturgeschichtsschreibung und politischen Interessen und damit auch die Funktionalisierung literarischer Strömungen im Sinne eines gezielten Entwicklungsbegriffes werden an den namhaften Literaturhistorikern und ihren Biographien deutlich: „Erst die Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts spricht von der Zeit Schillers und Goethes als der Zeit der ’Deutschen Klassik’. Erstmals gebraucht Heinrich Laube diesen Begriff in seiner ‚Geschichte der deutschen Literatur’ (1839) als Epochenbezeichnung für die Zeit von Lessing bis Goethe, die er mit ’Das Klassisch-Deutsche’ überschreibt. Er folgt dabei einem Periodisierungsschema, wie es einige Jahre zuvor Gervinus in seiner ’Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen’ (1834) geprägt hatte. Gervinus, der als einer der Göttinger Sieben 1837 seines Amtes als Professor an der dortigen Universität enthoben wurde, Mitarbeiter an der propreußisch-liberalgesinnten ‚Deutschen Zeitung’ und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung war,“ beschreibt die „’Deutsche Klassik’ als Kulminationspunkt der geistigen Entwicklung der Deutschen“ und sieht in ihr „das Versprechen, das nun auch politisch durch die Einigung Deutschlands und dessen demokratische Umgestaltung eingelöst werden müsse. [...] Der von Gervinus vorgeschlagenen Periodisierung der deutschen Literaturgeschichte folgen im wesentlichen die Literaturhistoriker des 19. Jahrhunderts. Mit der Reichsgründung von 1871 verschieben sich jedoch die politischen Bezüge dieser Art der Literaturgeschichtsschreibung. Was Gervinus noch als Aufgabe in der Zukunft erschienen war, scheint mit der Reichsgründung selbst eingelöst worden zu sein. Die Klassik als geschichtliches Vorbild und als Mahnung wird nun zum Besitz und zur Bestätigung. In den beiden ’Klassikern’ Schiller und Goethe spiegelt sich das deutsche Bürgertum, in ihnen findet es Selbstbestätigung und -glorifizierung. Die Klassik wird endgültig in den Dienst der Nation und der Germanisierung gestellt, sie wird ihres europäischen Kontextes im 18. Jahrhundert wie auch ihrer eigenen Widersprüche beraubt.“ (Wilhelm Große)
Somit lässt sich die Genese der Literturgeschichtsschreibung am Beispiel Kotzebue wie folgt zusammenfassen: Zuerst war die Kunstkritik personenbezogen und moralisch, dann wurde sie zum Politikum, weil Kotzebue für die einen zum Märtyrer eines feudaladligen Systems aufgebaut werden konnte, für die anderen nur der Auslöser der daraus folgenden verschärften Restauration und damit das Symbol des Undeutschen war. Erst als man Kotzebues Schriften Mitte des 19. Jahrhunderts ohnehin bereits an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt hatte, wurden die literarischen Bewertungskriterien künstlerisch-ästhetische, allerdings einseitig von einem durch die Weimarer Klassik geprägten Kunstverständnis aus betrachtet. Sozialhistorische Aspekte hatten in dieser Ästhetik keinen Platz.
Heutiger Stand der Kotzebue-Forschung
Heute
gestehen nahezu ausnahmslos alle Kritiker, die Kotzebue überhaupt erwähnen,
dem vielschaffenden Autor eine gewisse Virtuosität und dramatische
Fertigkeit, Esprit und ein großes schöpferisches Naturtalent zu. Die Dichtung
Kotzebues ist allerdings inzwischen nur noch Randnotiz, er selbst
bleibt nur noch in Erinnerung als derjenige, „dessen literarische
Qualitäten von den Wissenden ebenso gering geschätzt wurden, wie
die Eigenschaften seines Charakters“, denn er sei „zweifelsohne
ein übler Patron“ und „Leben oder Tod dieses Mannes für das
deutsche Volk gleich bedeutungslos“ gewesen (Max
von Boehn, 1911). Ohne jede weitere Begründung und vor allem
ohne jeglichen Beleg an Texten Kotzebues stützten sich die
Beurteilungen nun allein auf die Ansicht derer, die mit dem historischen
Abstand als die „Wissenden“ erscheinen mussten, obgleich sie lediglich
literarisch andere Konzepte verfolgten. Das Verfahren, charakterliche
Eigenschaften des Autors zum Maßstab für seine Werke zu machen,
hat die Zeiten überdauert.
Noch in jüngerer Zeit gelangt einer der führenden Kotzebue-Forscher angesichts seiner Untersuchungen zu einer vernichtenden Einschätzung: „Die Einförmigkeit der Urteile reizt zum Widerspruch, so daß man loben möchte, wo alle anderen tadeln.“ Doch er warnt eindringlich: „Erst recht muß heute jeder enttäuscht werden, der an das Werk Kotzebues mit der Frage herangehen sollte, ob es sich hier um einen verkannten Autor handle, der in seine Rechte wieder einzusetzen sei. Eine ‘Rettung’ ist unmöglich“ (Frithjof Stock).
Unmöglich – und doch: In den letzten Jahren werden zunehmend Positionen lesbar, die eine vorsichtige Neubewertung wagen und zu anderen Ergebnissen kommen. Wo dabei in Ausnahmefällen nicht das ‘Gesamtwerk’ Kotzebues Gegenstand der Untersuchung ist, sondern auch einzelne Schauspiele in die Betrachtung mit einbezogen werden, geht die Interpretation allerdings oft über eine Inhaltsangabe oder bloß beschreibende Verfahren nicht hinaus. Stellvertretend sei hier die Arbeit von Doris Maurer genannt, die viele Hinweise auf wichtige Aspekte liefert, im Wesentlichen jedoch getreu dem Untertitel ihrer Studie bemüht ist, die „konstanten Elemente der unterhaltenden Dramatik“ aufzuzeigen, mithin also nur die immer wiederkehrenden Charaktere und Stilmittel Kotzebues auflistet.
Eine
Neubewertung, die sich von moralisch argumentierenden Kriterien distanziert
und historisch-kritisch die literarischen Texte vor dem Hintergrund
der sozialgeschichtlichen Voraussetzungen bewertet, war daher
notwendig.
Vielleicht war Kotzebue tatsächlich wenig besser als sein Ruf, aber wenn man nachvollziehen kann, wie dieser ‘Ruf’ entstanden ist und wie er sich unrevidiert über einen großen Zeitraum bis heute erhalten konnte, besagt dieses ‘Kriterium’ freilich nicht viel. Wie in der Literaturwissenschaft der „schlechte Ruf“ überhaupt zu einem scheinbar bis heute entscheidenden Kriterium werden konnte, und dass zum Teil handfeste Interessen dahinter vermutet werden können, sollte an den ausgewählten Beispielen deutlich werden.
Im Ausland waren die politischen Auseinandersetzungen und literarischen Fehden dagegen unbekannt und konnten dort nicht zur Abwertung der Werke führen. Weil Kotzebues Schauspiele dort gleichsam unvoreingenommen rezipiert werden konnten, erklärt sich der unproblematische Umgang mit seiner Literatur, die nicht zum ‘Schandmal’ des Trivialen und Unwerten stilisiert wurde. Aus der politischen und kulturellen Distanz heraus, dadurch, dass man weder mittelbar noch unmittelbar in die Wirren und Folgen von Kotzebues Ermordung verstrickt war, konnte man im englischsprachigen Raum angesichts der deutschen Literaturgeschichtsschreibung in ihrem Verhältnis zu Kotzebue zu folgender Einschätzung kommen: „Kotzebue’s name has become so completely identified with shallowness, immorality, and vulgarity that although he is often mentioned, he is rarely discussed with seriousness by the literary historian“ (A. P. Coleman).
Für die deutsche Geschichte der Literatur und des Theaters darf man, bezogen auf Kotzebue, wohl konstatieren: Anfangs wurde er entweder verehrt oder verachtet, dann aber einmütig verdammt und schließlich vergessen.
Da Kotzebue einmal selbst schrieb, er „besitze leider die Gabe, das Lächerliche an einer Sache schnell aufzufinden und scharf heraus zu heben“, darf man die Kotzebueschen Schauspiele und Rührstücke getrost mit einigem Interesse lesen, kann doch von ihnen erwartet werden, dass sie zur Erhellung der gesellschaftlichen Verhältnisse und des bürgerlichen Emanzipationsprozesses nach den Ereignissen der Französischen Revolution und während der politischen Wirren der Befreiungskriege beitragen.
Der
vorliegende Aufsatz sollte verdeutlichen, dass die gesellschaftlichen
Spannungen in den Kotzebueschen Stücken nicht ausgeklammert, sondern
entgegen allen politischen und moralischen Forderungen der damaligen
Gesellschaft thematisiert wurden. Dabei dienten sie nicht vornehmlich
„als Folie, als die hochpolitische Kulisse, vor der sich das sanft
entpolitisierte Rührstück“ entfaltete, um letztlich nur „Vorwand
für rührende, spannende, komische Szenen, für Unterhaltung“ (Benedikt
Erenz) zu sein, denn dann hätte es der brisanten Gratwanderung
nicht bedurft, die Kotzebue in lebenslangen Konflikt mit der Zensur
und den Rezensenten brachte – ausschließlich ‘problemlose’
Abendunterhaltung (die Kotzebue ja freilich auch produzierte) war das
nicht. Oft genug rüttelte Kotzebue an den moralischen Grundpfeilern
des ‘nachrevolutionären’ Bürgertums, das die Revolution eben
nur aus der Entfernung verfolgt hatte, während es selbst sanft in die
Nachfolge des Feudalabsolutismus trat und in der anschließenden
Klassengesellschaft gegenüber der Arbeiterschicht als Bildungsbürger
und Unternehmer die Rolle des Maßgeblichen einnahm. Bildung und
Besitz hatten als ebenso ungleich verteilte Privilegien die der Herkunft
abgelöst; „Verdienst“ (um im Sprachgebrauch Kotzebues zu bleiben)
war noch immer nicht das vorrangigste Kriterium geworden.
Voraussetzung für diese Entwicklung war ein ‘Rollenmonopol’ des Bürgertums,
das die Chancen nach einem starren moralischen Codex verteilte und
gleichzeitig über das Ausmaß der Gültigkeit dieses Codex nach
Belieben verfügen konnte. Die Doppelmoral, die vom anderen Unterordnung
verlangte, wo man sich selbst die größten Freiheiten nahm, ist oftmals
das Ziel der Kotzebueschen Kritik. Ob es wie in „Menschenhaß und
Reue“ die Rechte der Frau oder wie in den „Deutschen Kleinstädtern“
die des unverwechselbaren Individuums sind, die verteidigt werden, immer
kommt dabei die Übermacht und Kontrollfunktion der rigiden
Sittengesetze einer unfreien Gesellschaft zum Ausdruck. Ein Gratwanderer
ist Kotzebue dabei sicher gewesen, ein Opportunist und Wendehals
aber nicht.
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Zitierte Literatur
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Bruford,
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Biographische Notiz, in: August von Kotzebue, Gedanken über das Partickelchen
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Bildernachweis
Wistinghausen, Henning von, Die Kotzebue-Zeit in Reval im Spiegel des Romans „Dorothee und ihr Dichter“ von Theophile von Bodisco, Tallinna 1995.
Fotograf: Matthias Creutziger. Mit freundlicher Genehmigung der Sächsischen Staatsoper Dresden.
Brückner, Peter, „...bewahre uns Gott in Deutschland vor irgendeiner Revolution!“ Die Ermordung des Staatsrats v. Kotzebue durch den Studenten Sand, Berlin 1978.
Kaeding, Peter, August von Kotzebue. Auch ein deutsches Dichterleben, Berlin 1985.
Salzer, Anselm / von Tunk, Eduard, Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur in sechs Bänden, Neubearbeitung und Aktualisierung von Dr. Claus Heinrich und Dr. Jutta Münster-Holzlar, Bd. III (Von der Klassik bis zur Romantik), Köln [o.J.].
Bild 8: Kotzebues Wohnhaus in Weimar (2000)
Fotografen: Jörg F. Meyer / Christian Krajewski.
Meyer, Jörg F., Verehrt. Verdammt. Vergessen. August von Kotzebue – Werk und Wirkung, Frankfurt am Main 2005.
Promies, Wolfgang, August von Kotzebue, Das merkwürdigste Jahr meines Lebens ( = Lebensläufe. Biographien, Erinnerungen, Briefe, hrsg. von Wolfgang Promies, Bd. 4), München 1965, S. 295-315.
Der Aufsatz ist ein leicht veränderter Auszug aus meiner Publikation "Verehrt. Verdammt. Vergessen. August von Kotzebue - Werk und Wirkung", erschienen im Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2005.
Jörg F. Meyer