„Vielleicht liegen die ungewöhnliche Popularität seiner Stücke wie der außerordentliche Hass auf ihn darin begründet, dass Kotzebue, wie Nietzsche meinte, so war wie sein Publikum. Nicht ins Un­verbindliche größer als es, nicht zum Niedrigen kleiner, und ebenso gegenwärtig wie das eigene Spiegelbild.“
(
Udo Zöller)

  
August Friedrich Ferdinand von Kotzebue war und ist ein Phä­nomen.

Seine Ermordung im Jahre 1819 durch den Studenten Karl Ludwig Sand und die Folgen für die deutsche Geschichte sind allgemein bekannt, über die Bedeutung seines literarischen Wir­kens ist man hingegen in der Re­gel kaum infor­miert. Angesichts seines bei­spiellosen Er­folges er­scheinen all­gemeine Be­zeich­nungen für seine lite­rarische Schaf­fens- und Lebenszeit wie ‘Klassik’ oder ‘Goethezeit’ und die damit hervorgerufenen As­soziationen im Hinblick auf We­sen und Ausprägung dieser Lite­raturepoche unzureichend.

Kotzebue auf deutschen Bühnen

Dass Kotzebue zwei­fellos einer der bedeutendsten Dramatiker war, wenn man Wirkung und Verbreitung eines Werkes als ernst zu nehmende Hinweise auf seine historische Bedeutung be­trachten will, mögen einige Aussagen und Daten veranschauli­chen:

In einer Liste der meist gespielten Schauspielautoren des Mann­heimer Hof- und Natio­naltheaters für den Zeitraum von 1779 bis 1870, also für annähernd ein Jahrhundert, steht Kotzebue mit 1.870 Aufführun­gen an erster Stelle, weit vor Schiller mit 486 und Iffland mit 463 Vorstellungen, wäh­rend Goethe erst an vier­zehnter Stelle mit 181 Aufführungen erscheint.

 

Wählt man den Zeitraum noch enger und betrachtet die Auffüh­rungsstatistik erst ab 1788, dem Zeitpunkt also, als Kotzebue mit veröffentlichten Bühnenstücken erstmals auf dem Spielplan in Erscheinung trat, wird das Bild noch ungünstiger für die heute bekannten Autoren:

 

Ebenso in Dresden. Hier stehen in einem vergleichbaren Zeit­raum (1789 bis 1813) einem Goethe-Drama 55 Aufführungen Kotzebues gegenüber (fast 23 Prozent sämtli­cher Aufführungen werden von Kotzebue bestritten; Goethe, Lessing und Schiller kommen zusammen nur auf 4 Prozent).

 

Sogar an Goethes Theater in Weimar stammte etwa jedes siebte aufgeführte Stück aus der Feder des heute nahezu unbekannten Autors.

Resümierend kann gesagt werden, dass zwischen 1795 und 1825 sein Anteil am Repertoire deutscher Bühnen bei ungefähr 25 Prozent lag.

A. W. Schlegel konstatierte für seine Epoche somit völlig zu Recht: „[...] das Deutsche Theater und Kotzebue läuft so ziem­lich auf eins hinaus.“

Kotzebue im Ausland

Viel erstaunlicher aber noch ist die Tatsache, dass Kotzebues Erfolg nicht auf die deutschsprachigen Länder begrenzt blieb, sondern seine Stücke die Bühnen nahezu ganz Europas erober­ten.

   

Lange Zeit waren Kotzebues Dramen die einzigen deutschen Theaterstücke, die über­haupt auf Bühnen anderer Nationen ge­spielt wurden. Kotzebue „was directly respon­sible for a wide­spread in­terest in German literature abroad, [...] while the Ger­man clas­sics remained virtually unknown“ (Robert Louis Kahn). Schließlich gelangten seine Stücke über England sogar nach Amerika und fei­erten auch dort erstaun­liche Erfolge: „The season of 1800 alone saw 14 pie­ces of Kotzebue which were new in New York. A variety of records were set up. The Virgin of the Sun (Die Son­nenjungfrau) was given on five nights in succession, something unprece­dented in America. The Stranger and Lover’s Vows re­mained in favor until 1870. In New York, in 1799, out of a total of 94 performances 52 (55%) belonged to Kotzebue.“ (Alfred Behrmann)

Doch selbst damit nicht genug. Als Adelbert von Chamisso mit Kotzebues Sohn Otto eine Weltreise unternahm, berichtete er über den Vater seines Reisegefährten:

„Überall hallte uns sein Name ent­gegen.“ Chamisso gewann den Eindruck, dass für die Menschen „dieser selbe Kotzebue der Dichter der Welt“ sei: „Wie oft ist mir doch, an allen Enden der Welt, namentlich auf O-Wahu, auf Guajan u.s.w., für meinen geringen Anteil an dem Begin­nen seines Sohnes mit dem Lobe des großen Mannes geschmeichelt worden, um auch auf mich einen Zipfel von dem Mantel seines Ruhmes zu werfen. [...] Sämtliche Biblio­theken auf den Aleutischen Inseln, so weit ich solche erkundet habe, bestanden in einem vereinzelten Bande von der russischen Übersetzung von Kotzebue.“

Und noch 1888 muss Leopold Bahlsen konstatieren: „So para­dox es auch klingt – es ist eine leicht zu erweisende Thatsache, daß im ganzen Verlaufe unserer an bedeutenden Erscheinungen doch so reichen Literatur keiner den Ruhm des deutschen Thea­ters weiter in die Welt hinaus­getragen hat als August v. Kot­zebue“.

So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass im Deckenplafond der Semper-Oper in Dresden als Reprä­sentant der deutschen Theaterdichtkunst der Name „Kotzebue“ erscheint.

 

Heute jedoch ist Kotzebue als Autor nahezu vollständig verges­sen; schon die Hintergründe seiner Ermordung sind wenigen genauer bekannt. Den Fürsten- und Königshäusern war das At­tentat des Burschenschaftlers Sand, der in völliger Verkennung der tatsäch­lichen Zusammenhänge etwas Gutes für die deutsche Sache zu unter­nehmen glaubte, willkom­mener Anlass, ihren schwindenden Einfluss zurückzugewinnen und das Ancien régime in Deutschland zu restaurieren, um es gegen revolutionäre Bestrebungen des er­starkten bürgerlichen Lagers zu si­chern. Folge dieses unsinnigen Attentats waren nicht die er­hoffte Aufbruchstimmung zu einer bür­gerlichen Revolution und die Gründung einer vereinten deut­schen Nation, sondern die Karlsbader Beschlüsse, die den Fort­gang der bür­gerlichen Emanzipation hemmten und etablierte Freiräume durch Auswei­tung der Zensur und polizeistaatliche Maßnahmen wieder ein­schränkten, nicht zuletzt im Bereich der Kunst, besonders der Literatur und des Theaters.

 

Kotzebue
und die Literaturgeschichtsschreibung

„Wohl kein deutscher Schriftsteller hat wäh­rend des ganzen 19. Jahr­hunderts eine vergleichbar so starke Wirkung auf die Literatur fast aller euro­päischen Nationen aus­geübt, wie August von Kotzebue, und ist doch in gleichem Maße ein Stiefkind der deutschen Literaturge­schichts­­schreibung ge­wesen.“

Dass Kotzebue aber nicht erst durch sei­nen Tod das kulturelle Bild Deutschlands geprägt und beeinflusst hat, sondern schon zu Lebzeiten als Dramatiker die Jahre vor und nach 1800 ent­schei­dend prägte, ist auch Litera­tur­wis­sen­schaft­lern nur selten be­kannt. Damit geraten die Verfahren und Kriterien der Litera­tur­ge­schichts­schrei­bung ins Blickfeld. Ange­sichts seiner beispiello­sen Vorherr­schaft auf der Bühne, angefangen mit sei­nem ‘Welt­erfolg’ „Menschenhaß und Reue“ im Jahre 1789 bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, ist es verwunderlich, dass sein Name in vie­len literaturgeschichtlichen Ar­beiten gar nicht oder nur am Rand erwähnt wird.

Ein halbes Jahr­hundert lang sind seine Stücke auf europäischen und transatlantischen Büh­nen vertreten, auf deut­schen Bühnen geradezu omnipräsent. Wie ist es da möglich, dass dieser Autor fast vollständig aus dem allgemeinen kulturellen Gedächtnis und insbesondere aus der Lite­raturge­schichtsschrei­bung ver­schwin­den konnte? Welche Krite­rien haben dazu ge­führt, seine zeitgenössisch offensichtlich erfolgreichen Werke als minderwertig einzustufen und welche Maßstäbe wurden angelegt, sein literarisches Wirken zu beurteilen.

Moralische Diffamierung von Autor und Werk

Ein wesentliches Problem der literarischen Wertung, das sich im Hinblick auf Kotzebues Werke bis auf den heutigen Tag hart­näckig erhalten hat, setzt schon zu Lebzeiten des Autors ein. Anstelle einer Bewertung der Texte und ihres analytischen und erkenntnisstiftenden Potentials steht die Künstlerperson im Vor­dergrund. Die Beispiele für diesen Sachverhalt sind so zahllos, dass Kotzebue selbst zeitweise davor zu kapitulieren schien: „Man hat sich durch lächerliche Recensionen an meinen Schrif­ten gerächt, andere haben meinen moralischen Character, nicht ohne Schein, verunglimpft“, so schrieb er bereits 1793 in einem direkt an die allgemeine Leserschaft gerichteten Flugblatt, das er kostenfrei verteilen ließ, um dieser Art der Kritik zu begegnen. Aus dieser Veröffentlichung wird er­sichtlich, dass sich Kotze­bue den Vorwurf, er sei ein unmoralischer Mensch, beständig gefallen lassen musste, weil seine Schauspiele und die dort ver­handelten Themen nicht den Tugendvorstellungen der Rezen­senten entsprachen. Von den unkonventionellen oder gar gegen­konventionellen Aussagen seiner Stücke schloss man auf die cha­rakterlichen Eigenschaften des Autors, aber auch umgekehrt führte die Diffamierung seiner Per­son gleichsam zu einer Über­tra­gung auf seine literarischen Erzeugnisse. Aus dieser Wech­selbe­ziehung resultierte dann im weiteren Verlauf das literari­sche Gesamturteil: Sowohl der Autor als auch sein Werk sind mora­lisch verkommen und ’sittenwidrig’.

 

Wie weit diese pauschalierende Diffamierung gehen konnte, mag ein Beispiel verdeutlichen, auf das Kotzebue ebenfalls ex­emplarisch durch einen offenen Brief reagierte: „Herr von Mas­son der Jüngere, Verfasser der Mémoires secrets sur la Russie, hat ein Buch gegen mich geschrieben, in welchem er mir einige moralische Schwachheiten zur Last legt, als da sind: Mord, Diebstahl, Ehebruch, Verführung der Unschuld [...], brutale Grausamkeit, knechtische Niederträchtigkeit, Speichelleckerei, feile Verkäuflichkeit, Plagiate, Hang zum unverschämten Lü­gen, und was dergleichen Kleinigkeiten mehr sind, die, wenn sie auch nur zur Hälfte wahr erfunden würden, mich bei dem Publi­kum eben nicht empfehlen könnten.“ Unverkennbar steckt hinter den Angriffen auf Kotzebue eine Frustration derer, die das Theater als Bildungs­institution nutzen wollten und die ihre Ideen nun durch den Unterhaltungsdrang des Publikums unter­wandert sahen, da für sie ein breites Publikum gleichsam das Kennzei­chen für Minderwertigkeit bedeutete, obwohl das eine zu tun nicht automatisch bedeuten musste, das andere zu lassen.

Ein literarischer Markt entsteht

Die personenbezogene Kritik war zudem ein häufiger Bestand­teil der zahlreichen öffentlich in Zeitschriften oder Flug­blättern ausgetragenen Fehden und Streitigkei­ten, die rückblickend oft­mals erschreckend un­sachlich wirken und dabei erahnen las­sen, dass es sich bei der dar­aus entstehenden Pas­quille- und Streit­schriften-’Kultur’ der Zeit zunehmend auch um einen Wettbe­werb um Zuschauer- und Lesergunst gehandelt haben mag, der in einem erheblichen Maße ökonomischen Ursprungs war: die Zahl der Schriftsteller stieg im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts erheblich an und es entstand damit eine bisher ungekannte Konkurrenzsituation auf einem gerade erst entste­henden literarischen Markt.


Kotzebue als Politikum

 
Fragt man sich, wie nun überhaupt – bis heute – der moralische Ruf des Autors zu einem Kriterium der Beurteilung des Werkes werden konnte, so darf man als interessegeleitete Ursache neben der literarischen Wettbewerbssituation und der beschriebenen   Frus­tration der Spätaufklärer in der Folgezeit auch politische Absichten dahinter vermuten. Ein nicht zu unterschätzender Anteil an der Diffamierung der Autorenperson und des Werkes ist nach Kotzebues Tod seiner konservativen politischen Hal­tung der letzten Lebensjahre zuzuschreiben. Die Tat­sache, dass der eigent­lich haltlose Vorwurf einer Spionagetätigkeit Kotze­bues in russischen Diensten sogar 1959 noch diskussionswürdig war und bis vor ein Wiener Bezirksgericht zur Ver­handlung getra­gen wurde, verdeutlicht nur, wie umfassend und nachhaltig die politische Agita­tion gewirkt hat.

Dabei war schon im Jahre des Attentats aus juristischer Sicht nach­haltig belegt, welche Motive Carl Ludwig Sand tatsächlich dazu ver­anlasst hatten, sein Opfer auszuwählen: In eigenen Auf­zeichnungen hatte der Attentäter zuvor angekündigt, „dem Kot­zebue, oder sonst einem solchen Landesverräter, das Schwert ins Gekröse zu stoßen“, und hatte den konkreten Beschluss wohl weniger von einer genauen Sach­kenntnis über die differenzierte politische Einstellung – und An­stellung – seines Opfers abhängig gemacht, als vielmehr von dem Zufall, dass sich Kotzebue zu diesem Zeitpunkt in Weimar aufhielt und sich somit im (freilich sehr eingeschränkten) Ge­sichtskreise Sand’s befand. Allein die Umstände, dass Kotze­bues „Geschichte des deutschen Reichs“ beim Wartburgfest von anderen, gleichge­sinnten Stu­denten (nach Sands Auffas­sung gewiss nicht ohne Grund) ver­brannt worden war und dass Kot­zebue seine reak­tionäre Haltung öf­fentlich und unnach­giebig vertrat, waren gewiss ausschlagge­bender für Sands Wahl, als die später immer wieder gezielt hervorgehobene Begründung des Attentäters, Kotzebue sei ein russischer Spion gewesen. Wäh­rend diese ‘Begründung’ für die informierteren Zeitgenossen des Attentats noch ganz selbstver­ständlich aus Sands Unkenntnis über das damalige Verhältnis Rußlands zum übrigen Europa und Kotzebues Ver­hältnis zur russischen Regierung erklärlich war, verblasste die­ser Irrtum und die tatsächliche Sachlage in späte­ren Jahren zu­nehmend, so dass die sichtbar irrationale Begrün­dung allmählich zur einzig bekannten und damit später auch scheinbar schlüssi­gen Legiti­mation werden konnte.


Dabei war der Hintergrund folgender: Kotzebue war – ganz of­fiziell und ohne jegliche Geheimnistuerei – im Dienste der russi­schen Regierung als eine Art Kultur- und Literaturkorrespondent tätig und hatte sich währenddessen in zahlreichen teils öffentli­chen Auseinandersetzungen mit Luden, Oken und anderen Na­tionalisten als ein gealterter Anhänger der Monarchie erwiesen und damit in der allgemeinen Wahrnehmung zum Sündenbock der von den Fürsten seinerzeit bereits betriebenen Restaura­ti­onspolitik und zum Nationalfeind gemacht. In diesem Zusam­menhang wurde ihm auch durch vorsätzlich verfälschte und ver­stellend gekürzte Zitationen unterstellt, ein vehementer Ver­fechter der Leibeigenschaft zu sein. Selbst Goethe, wahrlich kein Anhänger des Komödiendichters, beobachtete die Vor­gänge bei Kotzebues Aufenthalt in Weimar wenige Wochen vor dem Attentat nicht ohne Bedenken, denn die Stimmung gegen Kotzebue verschärfte sich, nachdem dieser sich in den „Erinne­rungsblättern“ öf­fentlich für eine Ver­schärfung der Zensur an den Universitäten und für eine Ein­schränkung der aka­demischen Freiheit ausgesprochen hatte.

 

Ein besonders leiden­schaftlicher Bericht Kotzebues über den Zustand der deut­schen Universitä­ten, der eigentlich im Rahmen seiner Berichter­statter-Tätigkeit für den russischen Zaren be­stimmt war, geriet in die Hände von Oken und Luden und wurde in der Zeitschrift „Nemesis“ der Öffentlichkeit bekannt ge­macht. Goethe gab als Beobachter der politischen Stimmung zu Bedenken, es sei „ein merkwürdiges Phänomen, dass niemand mehr an die allgemeinen Angelegen­heiten“ denke, „sondern ein grenzenloser Hass gegen Kotzebue“ sich hervortue, der „seinen Feinden gut Spiel“ ma­che: „Alles was gegen ihn geschieht, wird gebilligt; jede Maßre­gel für ihn getadelt.“

 

 

Die politischen Statements, die in der Öffentlichkeit zu lesen waren, haben letztlich nicht nur den Theologiestudenten Sand zu seinem Attentat verführt, sondern auch die Urteile über den Er­mordeten nachhaltig beeinflusst und po­litisch gefärbt. Es war eine Form der Verschmelzung von politischer und mo­ralischer Denunzia­tion, die sich die Agitatoren zunutze machten. Entspre­chend wurde Kotze­bues Spottschrift „Doctor Bahrdt mit der eisernen Stirn“ (1790) wieder her­vorgeholt, um mit der Unter­stellung zweifelhafter Cha­raktereigenschaften auch den Vorwurf des Landesverrats zu untermauern.

Ein klares politisches Ziel, die Mobilisierung und Bündelung der revolutionären, nationalen Kräfte, stand hinter der Art der Dar­stellung, deren Absicht es war, Sands Tat als einen nationalen Befreiungsakt hinzustellen und ihn selbst zum Märtyrer zu stili­sieren.

Ebenso musste auch Kotzebues literarisches Werk in den Beur­teilungen und Kritiken geglättet werden, um es eindeutig und unzweifelhaft mit dem Stigma des Reaktionärs belegen zu kön­nen und auch hier werden die Charaktereigenschaften des Au­tors zum Dreh- und Angelpunkt der Argumentation. Kotzebues Werke sind nach 1830 ganz im ursprünglichen Wortsinn schwe­rer Verdammung anheimgefallen, denn nicht dem Opfer, son­dern dem Mörder gehörte das Mitgefühl der Nation und das hat schließlich auch auf das Urteil über Kotzebues Stücke gewirkt: „sie mussten nachträglich bewei­sen, dass er ein Volksverderber gewesen sei.“
(Albert Ludwig)

„In der Literatur werden die Urtheile über Kotzebue immer strenger, aber eigentlich nur bis 1832 nimmt er ein selbständiges Interesse in Anspruch“ (Ersch / Gruber), dann wird sein Werk systematisch demontiert und literarhistorisch verdächtig ge­macht: frevelhaft politisch, moralisch unsittlich und formaläs­thetisch pauschal von minderer Qualität. Bei der Fülle von Ver­dammungen liegt der Ver­dacht nahe, dass es eben die burschen­schaftlichen Lite­raturhistoriker waren, die nun in ihren neuen Positio­nen an den Universitäten und Bildungsstätten Deutsch­lands ihre Perspektive und ihre Vorstellung von Literaturge­schichts­schrei­bung zunehmend durch­setzten.

Die Umstände, die zu Kotzebues Tod geführt hatten und die Folgen, die sein Tod schließlich für das gesellschaftliche Leben hervorgebracht hatte, verdrängte man nur zu gerne. Man wollte auf keinen Fall an Kotzebue erinnert werden, der stellvertretend für das Versagen der burschenschaftlichen Revolution und den einstweiligen Untergang der reichsnationalen Idee stand. Mit seinem Tod setzte Kotzebue den Anfangspunkt der verhassten Restaurations­epoche. Darum musste, nachdem der politisch völlig unsinnige Mord an seiner Person nun einmal nicht mehr aus der Welt zu schaffen war, diese Tat nachträglich legitimiert und glorifiziert werden, musste Kotzebue zum Symbol für reak­tionäre Politik und Kultur umgewandelt werden, denn der fatale Irrtum Sands durfte im Nachhinein keiner mehr sein. Darum wurde Kotzebues Werk dem schon vorher feststehenden Urteil der Minderwertigkeit und des Fehlens jeglicher Progression an­gepasst.

Dichotomisierung der Literatur

 
In der Folgezeit kam es durch eine einseitig vom Kunstver­ständnis der Weimarer Klassik geprägte Sichtweise der litera­risch Wertenden hinsichtlich der polaren Konzepte, mit denen Kotzebue und die Klassiker auf gesellschaftliche Wirklichkeit reagierten, in dieser Literaturgeschichts­epoche zu einer Dicho­tomisierung der Literatur in eine anspruchsvolle und eine weni­ger anspruchsvolle, während eine Einteilung in tendenziell formorientiert und tendenziell fabelorien­tiert vielleicht treffen­der ge­wesen wäre. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kommt es zu einer Aufteilung in Lite­ratur und Trivialliteratur; von den Zeit­genossen wurde das künstlerische Schaffen von Goethe, Schil­ler, Iffland und Kotzebue noch als einheitlich empfunden, ob­wohl sich auch für die Zeitgenossen schon früh diese Tendenzen abzeichneten, da ja die Weimarer Klassiker und auch die Ro­mantiker sich explizit von den anderen literarischen Strömungen abzugrenzen suchten.

 

Die Zusammenstellung der Werke Ifflands und Kotzebues unter dem Begriff der Trivialdramatik mag ihren Ursprung auch darin haben, dass beide Autoren neben Rührstücken vorzugsweise Lustspiele verfasst haben, eine Gattung, die im Grunde bis heute den Beigeschmack des Minderwertigen behalten hat. Schon zu seinen Lebzeiten stellte Kotzebue diesen Trend fest und ver­suchte sich gegen den undifferenzierten Umgang mit seinen Stücken und denen Ifflands zu verwahren: „Woher kommt es denn, daß man, um Dichter einer gewissen, sehr beschränkten Gattung anzudeuten, immer Kotzebue und Iffland zusammen­stellt? – das kommt daher, weil man eben diese Gattung gern als untergeordnet bezeichnet, und weil man eben so gern die Gele­genheit ergreift, alle meine Stücke in Bausch und Bo­gen in eine untergeordnete Classe zu setzen“. Es herrschte die Meinung, dass das, was weniger ernst daherkommt, auch weniger ernst genommen werden muss. Erst mit den bissigen politischen Sati­ren des 19. Jahrhunderts scheint sich die Erkenntnis durchzuset­zen, dass auch der Komödiengattung eine seriöse Beachtung zusteht.

Aufgrund einer tradierten Voreingenommenheit war man dann im weiteren Verlauf der Literaturgeschichtsschreibung nicht mehr in der Lage, die Qualitäten der Kotzebueschen Texte un­voreingenommen zu untersuchen, zu erklären und mit wissen­schaftlichen Argumenten von den Mängeln zu unterscheiden. In dem Maße, wie die regiden Sitten­vorschriften, gegen die Kotze­bues Schriften oftmals aufbegehrten, ihre gesellschaftliche Do­minanz behaupten konnten, und in dem Maße, in dem „Goethes Klassik dogmatisch wurde“ (Walter H. Bruford), mussten schließlich auch die ‘frivolen Lustspiele‘, die ‘demoralisieren­den Dramen‘ und die effektvoll inszenierten statt statuarisch deklamierenden Stücke von der Bühne verschwinden und mit ihnen auch der Name ihres Schöpfers.

 Traditionen literarischer Urteilsbildung

Was eine Zeit lang bleibt, ist ein verständnisloses Konstatieren des Erfolgs, den man nun zunehmend auf einen ’bloßen Effekt’ reduziert, wobei aber in den seltensten Fällen genau beschrieben wird, worin exakt dieser ’Effekt’ besteht.

Der sittlich-moralische Vorwurf aber geht vor dem Hintergrund einer biedermeierlichen Ein­richtung des bürgerlichen Privatle­bens auch in späterer Folgezeit nicht verloren. Um die Auffas­sung, dass es sich bei Kotzebue um einen Au­tor untersten Ran­ges handelt, der keiner weiteren Betrachtung lohnt, zu unter­mauern, scheute man nicht einmal davor zurück, Motive unab­hängig von ihrer literarischen Verarbeitung als unästhetisch zu erklären und ihnen gar den Realitätsanspruch abzusprechen: „Vom künstleri­schen Standpunkte haben die Theaterstücke Kot­zebues samt und sonders gar keinen Wert, da sie weder ein poe­tisches Problem behandeln, noch durch poetische Behandlung ergriffener Pro­bleme mit deren Unpoesie auszusöhnen bemüht oder vermögend sind. [...] Die Zeichnung der Charaktere [...] läßt sich fast nie­mals auf feinere Begründung und lebenswahre Darstellung ein. [...] Die Welt, aus der seine Stoffe und Personen hergenommen sind, ist nicht die wirkliche, viel weniger die wahre, sondern die eingebildete Welt der sittlichen Schwäche [...]. Man würde je­doch irren, wenn man meinte, Kotzebue habe das deutsche Volk zum Publikum gehabt. Als die Überraschung und der Reiz der Neuheit vorüber waren, blieben ihm bloß die Hefe, wie hoch sie äußerlich auch stand, und von den Übrigen allenfalls nur die, welche nicht seine Stücke, sondern die Schau­spieler in Rollen, die zufällig die seinigen waren, sehen woll­ten.“(Karl Goedecke, 1893) Was siebzig Jahre nach Kotze­bues Tod vor dem Hintergrund ganz anderer gesellschaftlicher Bedingungen wie ein schlechter Witz klingt, ist jedoch ein Zeugnis für die Ideologieanfälligkeit der Literaturgeschichts­schreibung und eine weitere Ursache für den Stand der heutigen Forschung. Die Verbindungen zwischen Literaturgeschichts­schreibung und po­litischen Interessen und damit auch die Funk­tionalisierung lite­rarischer Strömungen im Sinne eines gezielten Entwicklungsbe­griffes werden an den namhaften Literaturhisto­rikern und ihren Biographien deutlich: „Erst die Literaturge­schichtsschreibung des 19. Jahrhunderts spricht von der Zeit Schillers und Goethes als der Zeit der ’Deutschen Klassik’. Erstmals gebraucht Hein­rich Laube diesen Begriff in seiner ‚Geschichte der deutschen Literatur’ (1839) als Epochenbe­zeichnung für die Zeit von Les­sing bis Goethe, die er mit ’Das Klassisch-Deutsche’ über­schreibt. Er folgt dabei einem Periodi­sierungsschema, wie es einige Jahre zuvor Gervinus in seiner ’Geschichte der poeti­schen National-Literatur der Deutschen’ (1834) geprägt hatte. Gervinus, der als einer der Göttinger Sie­ben 1837 seines Amtes als Professor an der dortigen Universität enthoben wurde, Mit­arbeiter an der propreußisch-liberalgesinn­ten ‚Deutschen Zei­tung’ und Mitglied der Frankfurter National­versammlung war,“ beschreibt die „’Deutsche Klassik’ als Kul­mina­tionspunkt der geistigen Entwicklung der Deutschen“ und sieht in ihr „das Ver­sprechen, das nun auch politisch durch die Einigung Deutsch­lands und dessen demokratische Umgestaltung eingelöst werden müsse. [...] Der von Gervinus vorgeschlagenen Periodisierung der deutschen Literaturgeschichte folgen im we­sentlichen die Literaturhistoriker des 19. Jahrhunderts. Mit der Reichsgrün­dung von 1871 verschieben sich jedoch die politi­schen Bezüge dieser Art der Literaturgeschichtsschreibung. Was Gervinus noch als Aufgabe in der Zukunft erschienen war, scheint mit der Reichsgründung selbst eingelöst worden zu sein. Die Klassik als geschichtliches Vorbild und als Mahnung wird nun zum Besitz und zur Bestätigung. In den beiden ’Klassikern’ Schiller und Goethe spiegelt sich das deutsche Bürgertum, in ihnen findet es Selbstbe­stätigung und -glorifizierung. Die Klas­sik wird endgül­tig in den Dienst der Nation und der Germanisie­rung gestellt, sie wird ihres europäischen Kontextes im 18. Jahr­hundert wie auch ihrer eigenen Widersprüche beraubt.“ (Wilhelm Große)

 

Somit lässt sich die Genese der Literturgeschichtsschreibung am Beispiel Kotzebue wie folgt zusammenfassen: Zuerst war die Kunstkritik personenbezogen und moralisch, dann wurde sie zum Politikum, weil Kot­zebue für die einen zum Märtyrer eines feudalad­ligen Systems aufgebaut werden konnte, für die anderen nur der Auslöser der daraus folgenden verschärften Res­taura­tion und damit das Symbol des Undeut­schen war. Erst als man Kot­zebues Schriften Mitte des 19. Jahrhunderts oh­nehin bereits an den Rand der Bedeu­tungslosigkeit gedrängt hatte, wurden die litera­ri­schen Bewertungskriterien künstlerisch-ästhe­tische, aller­dings ein­seitig von einem durch die Weimarer Klassik ge­prägten Kunstverständnis aus betrachtet. Sozialhistorische Aspek­te hat­ten in dieser Ästhetik keinen Platz.

 

Heutiger Stand der Kotzebue-Forschung

Heute gestehen nahezu ausnahmslos alle Kritiker, die Kotzebue überhaupt erwähnen, dem vielschaffenden Autor eine gewisse Virtuosität und dramatische Fertigkeit, Esprit und ein großes schöpferisches Naturtalent zu. Die Dichtung Kotzebues ist aller­dings inzwischen nur noch Randnotiz, er selbst bleibt nur noch in Erinnerung als derje­nige, „dessen literari­sche Qualitä­ten von den Wissen­den ebenso ge­ring geschätzt wurden, wie die Eigen­schaften sei­nes Cha­rakters“, denn er sei „zwei­fels­ohne ein übler Pa­tron“ und „Leben oder Tod die­ses Mannes für das deutsche Volk gleich be­deu­­tungs­­los“ gewe­sen (Max von Boehn, 1911). Ohne jede weitere Be­gründung und vor allem ohne jegli­chen Be­leg an Texten Kotze­bues stütz­ten sich die Beurteilungen nun allein auf die Ansicht derer, die mit dem historischen Abstand als die „Wissenden“ erschei­nen mussten, obgleich sie le­diglich literarisch andere Kon­zepte verfolgten. Das Verfah­ren, charak­terliche Eigen­schaften des Autors zum Maß­stab für seine Werke zu ma­chen, hat die Zeiten überdau­ert.

 

 

Noch in jüngerer Zeit gelangt einer der führenden Kotzebue-Forscher angesichts seiner Untersuchungen zu einer ver­nichten­den Einschätzung: „Die Einförmigkeit der Urteile reizt zum Wi­derspruch, so daß man loben möchte, wo alle anderen tadeln.“ Doch er warnt ein­dringlich: „Erst recht muß heute jeder ent­täuscht werden, der an das Werk Kotzebues mit der Frage he­rangehen sollte, ob es sich hier um einen verkannten Autor handle, der in seine Rechte wieder einzusetzen sei. Eine ‘Ret­tung’ ist unmöglich“ (Frithjof Stock).

Unmöglich – und doch: In den letzten Jahren werden zuneh­mend Positionen lesbar, die eine vorsichtige Neubewertung wa­gen und zu anderen Ergebnissen kommen. Wo dabei in Aus­nahmefällen nicht das ‘Gesamtwerk’ Kotzebues Gegenstand der Untersuchung ist, sondern auch einzelne Schauspiele in die Be­trachtung mit einbezogen werden, geht die Interpretation aller­dings oft über eine Inhaltsangabe oder bloß beschreibende Ver­fahren nicht hinaus. Stellvertretend sei hier die Arbeit von Doris Maurer genannt, die viele Hinweise auf wichtige Aspekte liefert, im Wesentlichen jedoch getreu dem Untertitel ihrer Studie be­müht ist, die „konstanten Elemente der unterhaltenden Drama­tik“ aufzuzeigen, mithin also nur die immer wiederkehrenden Charaktere und Stilmittel Kotzebues auflistet.

Eine Neubewertung, die sich von mo­ralisch argumentierenden Kriterien dis­tanziert und historisch-kritisch die lite­rarischen Texte vor dem Hintergrund der sozialgeschichtlichen Voraus­set­zungen bewertet, war daher notwendig.

Vielleicht war Kotzebue tatsächlich wenig besser als sein Ruf, aber wenn man nachvollziehen kann, wie dieser ‘Ruf’ entstan­den ist und wie er sich unrevidiert über einen großen Zeit­raum bis heute erhalten konnte, besagt dieses ‘Krite­rium’ freilich nicht viel. Wie in der Literaturwissenschaft der „schlechte Ruf“ überhaupt zu einem scheinbar bis heute ent­scheidenden Krite­rium werden konnte, und dass zum Teil hand­feste Interessen dahinter vermutet werden können, sollte an den ausgewählten Beispielen deutlich werden.

 

Im Ausland waren die politischen Auseinandersetzungen und literarischen Fehden dagegen unbekannt und konnten dort nicht zur Abwertung der Werke führen. Weil Kotze­bues Schauspiele dort gleichsam unvoreingenommen rezipiert werden konnten, erklärt sich der unproblematische Umgang mit seiner Literatur, die nicht zum ‘Schandmal’ des Trivialen und Unwerten stilisiert wurde. Aus der politischen und kulturellen Distanz heraus, da­durch, dass man weder mittelbar noch unmittelbar in die Wirren und Folgen von Kotzebues Ermordung verstrickt war, konnte man im englischsprachigen Raum angesichts der deutschen Lite­raturgeschichtsschreibung in ihrem Verhältnis zu Kotzebue zu folgender Einschätzung kommen: „Kotzebue’s name has be­come so completely identified with shallowness, immorality, and vulgarity that although he is often mentioned, he is rarely discussed with seriousness by the literary historian“ (A. P. Co­leman).

Für die deutsche Geschichte der Literatur und des Theaters darf man, bezogen auf Kotzebue, wohl konstatieren: Anfangs wurde er ent­weder verehrt oder verachtet, dann aber einmütig ver­dammt und schließlich vergessen.

Fazit

Da Kotzebue einmal selbst schrieb, er „besitze leider die Gabe, das Lächerliche an einer Sache schnell aufzufinden und scharf her­aus zu heben“, darf man die Kot­ze­bue­schen Schau­spiele und Rührstücke getrost mit einigem Interesse lesen, kann doch von ihnen erwartet werden, dass sie zur Erhellung der ge­sellschaftli­chen Verhältnisse und des bür­gerlichen Emanzipa­tions­pro­zes­ses nach den Ereignissen der Französischen Revolu­tion und wäh­rend der politischen Wir­ren der Befreiungskriege beitragen.

Der vorliegende Aufsatz sollte verdeutlichen, dass die gesell­schaft­lichen Spannungen in den Kotzebueschen Stücken nicht ausgeklam­mert, son­dern entge­gen allen politischen und mo­rali­schen Forderun­gen der da­maligen Gesellschaft themati­siert wurden. Dabei dien­ten sie nicht vor­nehmlich „als Folie, als die hochpoliti­sche Ku­lisse, vor der sich das sanft entpo­litisierte Rührstück“ entfaltete, um letztlich nur „Vorwand für rüh­rende, span­nende, komische Szenen, für Unter­haltung“ (Benedikt Erenz) zu sein, denn dann hätte es der bri­santen Gratwanderung nicht bedurft, die Kotzebue in lebenslan­gen Konflikt mit der Zensur und den Rezensenten brachte – aus­schließlich ‘pro­blemlose’ Abendunterhaltung (die Kotzebue ja freilich auch produzierte) war das nicht. Oft genug rüttelte Kot­zebue an den moralischen Grundpfeilern des ‘nachrevolutionä­ren’ Bürger­tums, das die Revolution eben nur aus der Entfer­nung verfolgt hatte, während es selbst sanft in die Nachfolge des Feudalabso­lutismus trat und in der anschließenden Klassenge­sellschaft ge­genüber der Arbeiterschicht als Bildungsbürger und Unterneh­mer die Rolle des Maßgeblichen einnahm. Bildung und Besitz hatten als ebenso ungleich verteilte Privilegien die der Herkunft abgelöst; „Verdienst“ (um im Sprachgebrauch Kotze­bues zu bleiben) war noch immer nicht das vorrangigste Krite­rium ge­worden. Voraussetzung für diese Entwicklung war ein ‘Rollen­monopol’ des Bürgertums, das die Chancen nach einem starren moralischen Codex verteilte und gleichzeitig über das Ausmaß der Gültigkeit dieses Codex nach Belieben verfügen konnte. Die Doppelmoral, die vom anderen Unterordnung ver­langte, wo man sich selbst die größten Freiheiten nahm, ist oft­mals das Ziel der Kotzebueschen Kritik. Ob es wie in „Men­schenhaß und Reue“ die Rechte der Frau oder wie in den „Deut­schen Kleinstädtern“ die des unverwechselbaren Individuums sind, die verteidigt werden, immer kommt dabei die Übermacht und Kontrollfunk­tion der rigiden Sittengesetze einer unfreien Gesellschaft zum Ausdruck. Ein Gratwanderer ist Kot­ze­bue da­bei sicher gewesen, ein Opportunist und Wendehals aber nicht.

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Zitierte Literatur

Behrmann, Alfred, Kotzebue on the American Stage, in: arcadia, hrsg. von Horst Rüdiger, Bd. 4, Berlin 1969, S. 274-284

Boehn, Max von, Biedermeier. Deutschland von 1815 - 1847, Berlin 1911

Bruford, W[alter] H[orace], Theatre, Drama and Audience in Goethes’s Germany, 2. Aufl., London 1957

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Stock, Frithjof, August von Kotzebue, in: Deutsche Dichter des 18. Jahrhunderts, Ihr Leben u. Werk, hrsg. von Benno von Wiese, 1. Auflage, Berlin 1977, S. 958-971

Zöller, Udo, Biographische Notiz, in: August von Kotzebue, Gedanken über das Parti­ckelchen Man, München 1986, S. 19f.

Bildernachweis

Scherenschnitt (Seite): Kotzebue-Portrait

Wistinghausen, Henning von, Die Kotzebue-Zeit in Reval im Spiegel des Romans „Dorothee und ihr Dichter“ von Theophile von Bodisco, Tallinna 1995.

Hintergrund: Kotzebue-Portrait

August von Kotzebue, Das merkwürdigste Jahr meines Lebens.Hrsg. u. m. e. Einf. versehen v. Hans Schumann, Zürich 1989

Bild 1: Titelkupfer zur „Sonnenjungfrau“

Titelkupfer aus: August von Kotzebue, Theater, Bd. 2, Wien 1810.

Bild 2: Deckenplafond der Semper Oper

Fotograf: Matthias Creutziger. Mit freundlicher Genehmigung der Sächsischen Staatsoper Dresden.

Bilder 3, 9 und 11: Portrait Karl L. Sand; Der Dencker-Clubb; Kotzebue-Portrait

Brückner, Peter, „...bewahre uns Gott in Deutschland vor irgendeiner Revolution!“ Die Ermordung des Staatsrats v. Kotzebue durch den Studenten Sand, Berlin 1978.

Bild 4: Titelblatt zu „Menschenhaß und Reue“

Horst Kunze, Lieblings-Bücher von dazumal. Eine Blütenlese aus den erfolgreichsten Büchern von 1750 - 1860. Zugleich ein erster Versuch zu einer Geschichte des Lesergeschmacks, München [1938], S. 304b

Bild 5: Kotzebue-Portrait

Kaeding, Peter, August von Kotzebue. Auch ein deutsches Dichterleben, Berlin 1985.

Bild 6: Brief von Kotzebue an seinen Verleger

Heinrich Döring, August von Kotzebue’s Leben ( = August von Kotzebue’s sämmtliche dramatische Werke. Supplement-Band), Weimar 1830

Bild 7: Darstellung der Ermordung Kotzebues 1819

Salzer, Anselm / von Tunk, Eduard, Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur in sechs Bänden, Neubearbeitung und Aktualisierung von Dr. Claus Heinrich und Dr. Jutta Münster-Holzlar, Bd. III (Von der Klassik bis zur Romantik), Köln [o.J.].

Bild 8: Kotzebues Wohnhaus in Weimar (2000)

Fotografen: Jörg F. Meyer / Christian Krajewski.

Bild 10: Darstellung des Attentats auf  Kotzebue 1819

Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit [Hrsg.], Fragen an die deutsche Geschichte: Ideen, Kräfte, Entscheidungen von 1800 bis zur Gegenwart;     his­tor. Ausstellung im Reichstagsgebäude in Berlin; Katalog; Dt. Ausgabe, 13. Aufl., Bonn 1988, Abb. I/21

Bild 12: Kotzebue-Portrait

August von Kotzebue, Theater, Bd. 56, Wien 1820.

Bild 13: Titelseite

Meyer, Jörg F., Verehrt. Verdammt. Vergessen. August von Kotzebue – Werk und Wirkung, Frankfurt am Main 2005.

Bild 14: Kotzebue-Portrait

Promies, Wolfgang, August von Kotzebue, Das merkwürdigste Jahr meines Lebens ( = Lebensläufe. Biographien, Erinnerungen, Briefe, hrsg. von Wolfgang Promies, Bd. 4), München 1965, S. 295-315.

Der Aufsatz ist ein leicht veränderter Auszug aus meiner Publikation "Verehrt. Verdammt. Vergessen. August von Kotzebue - Werk und Wirkung", erschienen im Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2005.

Jörg F. Meyer